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Auf dem Cello zu singen

Heute und am 25. November spielt der junge russische Cellist Dmitri Eremin mit Andrej Iwanowitsch in der Südpfalz.

Man mag es kaum glauben, der sympathisch bescheidene, im Gespräch angenehm entspannte, zugleich ernsthafte über seine Sache sprechende junge Musiker ist trotz seiner erst 24 Jahre ein Künstler von großem Renommee, der seine Kunst bereits in unterschiedlichen Gattungen und in ersten Positionen unter Beweis gestellt hat. Seit zwei Jahren ist Dmitri Eremin Solo-Cellist der St. Peterburger Philharmoniker, eines weltberühmten Klangkörpers, der bekanntermaßen auf einer Ebene mit den Philharmonikern aus Wien, Berlin oder New York steht. Er tritt zugleich weit über die Grenzen seiner russischen Heimat als Solist und Kammermusiker auf, wirkt trotz seiner Jugend auch schon pädagogisch als Lehrer einer Celloklasse am St. Petersburger Konservatorium. Heute um 19.30 Uhr spielt "Dima" Eremin - wie gemeldet - im Haus des Gastes in Bad Bergzabern zusammen mit dem Petersburger Pianisten Andrej Iwanowitsch nach einer Toccata von Frescobaldi die F-Dur-Sonate von Brahms und die rund 35-minütige Sonate g-moll op. 19 von Sergej Rachmaninoff (Karten an der Abendkasse).

In gut einer Woche, am Samstag, 25. November, spielen die beiden Künstler um 17 Uhr in der Aula der Maria-Ward-Schule in Landau ein weiteres Programm mit Werken von Granados, Turina, Kassado, Debussy, Poulenc, Glasunow, Tschaikowsky, Rachmaninoff, Martinu sowie zwei Stücken des zeitgenössischen russischen Komponisten Rodion Stschedrin.

Dessen Cellokonzert wurde im übrigen vor kurzem von Eremin in St. Petersburg uraufgeführt. Die alternative Besetzung bei einer Konzertreise mit dem Werk war der große Rostropowitsch. Stschedrin gehört, wie Dmitri Eremin und Andrej Iwanowitsch im Gespräch übereinstimmend sagen, zu den wichtigsten Komponisten im gegenwärtigen Rußland. Die schon lange in Deutschland lebende Sofia Gubaidulina und der vor kurzem hier gestorbene Alfred Schnittke würden in Ruß­land dagegen eher als westlich gelten.

Für Andrej Iwanowitsch steht eine wichtige Uraufführung in Kürze an. Wie er erst dieser Tage durch, einen Anruf aus der Heimat erfuhr, hat der serbische Komponist Bozic ein Klavier­konzert für ihn komponiert.

Die Noten warten daheim an der Newa. Doch nach den Konzerten in der Pfalz haben beide Künstler erst einige Auftritte in Sizilien - und dann geht es noch einmal kurz zurück nach Landau, wo sie mit ihrer Gönnerin, der Landauer Kunst und Musikmäzenin Resel Frühmesser, noch den Auftakt zum Nikolausmarkt miterleben wollen. Auch Dmitri Eremin fühlt sich hier in der Obhut von Frau Frühmesser sehr wohl, genießt die Offenheit der Menschen in der Region und erfreut sich am guten Pfälzer Wein.

 

In diesem Jahr war er schon in Speyer, wo er in einigen Bach-Konzerten von Leo Krämer, die später in Petersburg wiederholt wurden, mitwirkte. Gerade kommt er aus Bremen, wo er mit zwei Kollegen Trio-Kammerkonzerte mit Musik für Klavier, Klarinette und Cello gab.

Sein "erster" Kammermusikpartner aber sei Andrej Iwanowitsch, sagt er mit Nachdruck. In Rußland haben bei­de ja auch schon den ersten Preis eines bedeutenden Wettbewerbs gewonnen. Beide Musiker haben klare und individuell ausgeprägte künstlerische Vorstellungen, das macht ihre Zusammenarbeit spannend und ausgesprochen produktiv. Es ist mithin immer eine gleichberechtigte Partnerschaft.

Dmitri Eremin entstammt einer Musikerfamilie. Sein Großvater war erster Fagottist der (damals noch) Leningrader Philharmoniker unter dem legendären Jevgeni Mravinsky, sein früh verstorbener Vater Fagottist beim Mariinsky Theater. Beiden sei der Sinn für ausdrucksvolle Kantabilität sehr wichtig gewesen, das Fagott sollte in der Entfaltung der Melodielinien wie ein Cello klingen. Diesen Faden hat er aufgenommen, denn auch sein Bestreben ist es, auf dem Cello zu singen.

In der herrlichen Sonate von Rachmaninoff, deren Klavierpart im übrigen geradezu konzertartige Ansprüche stellt, werden die Hörer heute erleben können, wie Dmitri Eremin dieses Ideal Wirklichkeit werden lässt.

 

Von Karl Georg Berg

 

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